Unter ihrem zweiten Label “Craftbeer Creations Cologne” braut die Heinenhof-Mikrobrauerei” in Pulheim-Orr wieder das dunkle, kräftige und untergärige „verbotene Knuppbier“ und bringt den Kölnern ihr Lieblingsgetränk der Vergangenheit zurück, und zwar in die CCC, die Craftbeer Corner Coeln, gleich gegenüber dem Gürzenich. Ausgeschenkt wird es dort ab dem 8. September 2018.

Früher, im 17. und 18. Jahrhundert, als das Kölner Stadtgebiet an den Ringen endete, gab es noch kein Kölsch. In den unzäh­ligen Wirts- und Brauhäusern der damals noch mit unter 100.000 Einwohnern deutlich kleineren Stadt wurde etwa das helle Keut ausgeschenkt – ein Bierstil aus den Niederlanden – oder ein Wieß gebraut, der unfiltrierte Vorläufer des Kölsch. Und es gab das Kölnische Knupp. Das fand man aber nirgendwo in der Stadt selbst; denn das Knupp war hier verboten. Aber allzu weit zu dem dunklen, kräftigen Knupp hatten die durstigen Kölner es nicht, denn schon gleich vor den Toren der Stadt wurde es in Baracken gebraut und ausgeschenkt. Das war damals am Bayenturm, an Melaten, in Nippes und am Judenbüchel.  Und in Mülheim wurde das Müllemer Knupp getrunken.

Der Kölner Bierhistoriker e. V. hat an der Wiederbelebung des Knupp keinen unmaßgeblichen Anteil. Jürgen Knoke, Vorsitzender der Kölner Bierhistoriker, ist Experte in Sachen Knupp. Er schrieb schon einige Artikel zu dem bis jetzt vergessenen Bierstil, etwa im „brau!magazin“, einer Online-Zeitschrift für Bierliebhaber und Hobbybrauer. „Als Hobbybrauer habe ich schon vor einigen Jahren Probesude gemacht. Anfangs schmeckte das Knupp noch extrem röstig“, bekennt der ehemalige Sparkassenfachmann. Es wurde weiter an der Rezeptur gefeilt und immer wieder nach Hinweisen in alten Büchern und Zeitschriften Ausschau gehalten. „Endlich stand die Rezeptur, und wir waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, resümiert Martin Heinz, zweiter Vorsitzender der Bierhistoriker und ebenfalls Knupp-Spezialist.

Und so kam eines zum anderen: Michael Roeßgen, Heinenhof-Brauer und Biersommelier, hatte 2017 auf dem Heinenhof im idyllischen Pulheim-Orr, gleich hinter der Kölner Stadtgrenze, eine Mikrobrauerei aufgemacht, die unter dem Label Craftbeer Creations Cologne auch historische und kreative Biere produziert. Jürgen und Martin kannte Michael schon länger – schließlich gehören alle drei zu den Gründungsmitgliedern des  Kölner Bierhistoriker e. V. -, und er hatte die Idee, das ehemalige Lieblingsgetränk der Domstädter den Kölnern zurückzubringen. So fand er in Marc Robens, Inhaber der Craftbeer Corner Coeln, eine­r der bekanntesten Tap Rooms im Rheinland mit einer großen Auswahl an internationalen Bieren, einen begeisterten Mitspieler.

„Das Knupp bringen wir hier natürlich an den Hahn. Ein weiteres regionales, urkölnisches Bier fehlt hier noch“, findet der Barbesitzer. Marc und sein Team in der CCC, die auch regel­mäßiger Treffpunkt der Bierhistoriker ist, zapfen aus den Hähnen 15 verschiedene Biere, die zum großen Teil immer mal wechseln. Ein Eldorado also für den Bier-Aficionado. „Habt Ihr auch Biere von hier?“, lautet häufig eine Frage an der Theke. „Neben dem hauseigenen Veedels Wieß bieten wir nun ein weiteres regionales und sogar urkölsch historisches Bier an“, freut sich Ann-Katrin, die die Gäste der Craftbeer Corner Coeln nicht nur bewirtet und fachfraulich berät, sondern auch das Etikett für die Flaschenversion entscheidend mitgestaltet hat.

Diese gibt es exklusiv im Bauernladen des Heinenhofs in Pulheim-Orr. Wenn ein Kölner also eine Flasche dieses „verbotenen Bieres“ haben will, muss er wie früher vor die Tore der Stadt „pilgern“. „Das bleibt auch so“, sagt Brauer und Biersommelier Michael Roeßgen. „Die Süffige Sünde“, wie das Knupp hier heißt, „gab es ja früher nur außerhalb von Köln. Schön, dass sich die Grenzen verschoben haben; denn jetzt trägt unsere Mikrobrauerei mit dazu bei, dass der katholische Kölner wieder sündigen darf“, fügt er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu. In zahlreichen Edikten des Rates der Stadt Köln, z. B. 1672 und 1755, wurde den Kölnern nämlich untersagt, das Knupp zu trinken, das nach Ansicht der damaligen Stadtväter ungesund sei und krank mache und „Knuppereien“ – meist mit einhergehenden Blessuren – heraufbeschwöre. Ratsbediensteten wurde bei Genuss des Knupp sogar mit dem Verlust des Arbeitsplatzes gedroht!

Aber vielleicht war es doch eher wie so oft das liebe Geld, das für die Verbote entscheidend war. Denn außerhalb der Stadtgrenzen war der Erzbischof zuständig. Und so entging dem Stadtsäckel ein ordentlicher Batzen Einnahmen an Biersteuern, wenn die Kölner das Bier nicht rund um den Dom tranken. Aber auch diese vielen Edikte verhinderten es nicht, dass die Kölner wieder zu den Baracken „ausliefen“.

Doch heutzutage ist alles anders: Das ehemals „verbotene Knupp“ gibt es nun in der CCC. Und? Wie schmeckt es? – „Etwas Café in der Nase“, meint der Beerkeeper André hinter der Theke, „gepaart mit Noten von Bitterschokolade am Gaumen und im Abgang das unverwechselbar Typische des Knupp: ein Hauch von Lakritz.“ Lecker!

Öffnungszeiten und weitere Infos:

Craftbeer Corner Coeln
(facebook.com/craftbeercornercoeln/)
Mo – Do          18:00 – 0:00 Uhr
Fr, Sa              17 – 1:00 Uhr

Heinenhof – Die Mikrobrauerei
(heinenhof.de/mikrobrauerei)

Open Tap (Heinenhof-Biere am Hahn)
jeden zweiten Freitag im Monat von 16 – 20 Uhr

Heinenhof – Der Bauernladen
(heinenhof.de/bauernladen)
Mo – Fr           8:30 – 18:30 Uhr
Sa                    8:30 – 14:00 Uhr

Das Kölnische Knupp wird wieder ausgeschenkt
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